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Aktuelles aus dem Stadtarchiv

Einen Überblick über aktuelle Informationen aus dem Stadtarchiv finden Sie hier.

Trister Herbst 1922

Deutsche Reichsmarkt 1922
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Der diesjährige Herbst bietet genug Gründe sich Sorgen zu machen. Vor hundert Jahren war das nicht besser - es war sogar deutlich schlimmer. Die Zeitungen schrumpft in ihrem Umfang stark zusammen. Statt mit den Lokalnachrichten beginnt sie jetzt mit einem Block amtlicher Mitteilungen. Diese haben meist neue Regelungen zur Grundversorgung der Bevölkerung zum Thema. Der Grund: eine Inflation, die zunehmend außer Kontrolle gerät.

Aktuell schlagen wir uns auch mit dieser Thematik herum. Aber was damals geschah, hatte eine ganz andere Qualität. Die Preissprünge bei Bier und Milch betrugen mehrere 100 Prozent innerhalb weniger Wochen. So kostete eine Mass Bier im November 1922 stolze 72 Mark. Zur Einordnung: Der Preis war erst im September drastisch auf ca. 30 Mark pro Liter erhöht worden. Das Brauen von Starkbier wurde sogar verboten.  Das hatte vielleicht einen kleinen positiven Nebeneffekt. Den kurz zuvor wurde in der Zeitung darüber geklagt, dass unter dem Einfluss des Starkbieres die Raufereien im Markt bedeutend zugenommen hätten.

Ähnlich wie beim Bier schnellten auch bei anderen Lebens- und Genussmitteln, sowie für Dienstleistungen die Preise drastisch in die Höhe. Aber auch Immobilien verteuerten sich. So veräußerte ein Nantweiner seinen gesamten Besitz für mehrere Millionen Mark an den Großindustriellen Hugo Stinnes. Hätte er die Entwicklung der nächsten Zeit richtig eingeschätzt, hätte er von dem Verkauf wohl abgesehen.

Aus Augsburg wurde sogar gemeldet, dass über die Beerdigung in Leihsärgen nachgedacht wurde, da die Sargpreise nicht mehr zu bezahlen waren. Auch ersichtlich ist die Dramatik der Inflation an der kleinen Meldung, dass auf der Kothalm auf der Benediktenwand eingebrochen wurde. Dabei wurden Dinge wie eine Uhr und Bekleidung gestohlen. Der Schaden wurde auf 35.000 Mark geschätzt - jedoch dürfte es sich kaum um Gold und Seide gehandelt haben.

Lokal gab es aber natürlich trotz allem auch positive Nachrichten zu vermelden: So stand das Walchenseekraftwerk kurz vor seiner Vollendung. Der TSV Wolfratshausen konnte sein 60jähriges Bestehen feiern. Im Marktrat wurde beschlossen die Kanalisation am Obermarkt zu verbessern. Der Alpenverein gründete eine Skiabteilung, und in Hohenschäftlarn fand der erste evangelische Gottesdienst statt.

Unsichere Zeiten im Oberland

An der Kriminalfront tat sich in den unruhigen Zeiten anno 1922 einiges: In Reindl bei Penzberg wurde ein 56jähriger bei der Bewachung seines Feldes durch Stiche in den Rücken ermordet. Trotz ausgelobter Belohnung konnte der Fall im Berichtszeitraum nicht aufgeklärt werden. In München wurde ein Mord verhandelt, der sich im August 1922 in Wegscheid bei Lenggries ereignet hatte. Dabei hatte ein wohlhabender Mann ein Verhältnis mit seiner Stief- oder unehelichen Tochter (die Zeitung ist hier unklar). Als diese schwanger wurde, kam er auf die absurde Idee, dies einem Holzarbeiter in die Schuhe zu schieben. Um eine gegenteilige Aussage von diesem zu verhindern, erschoss er ihn mit einem Revolver, und versuchte es als vereitelten Einbruchsversuch darzustellen. Das misslang und so endete die Sache in München vor Gericht.

In Ebenhausen kam es zu einer Brandstiftung beim Sanatorium. In Allmanshausen brannte ein großer Bauernhof komplett ab. Am Bahnhof Moosach wiederum kam ein Wolfratshauser zu Tode, als er beim Aufspringen auf einen losfahrenden Zug buchstäblich unter die Räder geriet.

Auch weltpolitisch ereignete sich nicht viel erfreuliches. Hier dominierten der griechisch türkische Konflikt die Schlagzeilen, insbesondere die Zerstörung von Smyrna. Auch die Ukrainer mussten damals kämpfen, in diesem Falle aber gegen die Polen, die Teile der Ukraine besetzt hatten. In England erregte die eventuelle Gründung einer Frauenpartei erregte Interesse.

 

1121 - 900 Jahre Kloster Beuerberg

Unterschiedliche Schlaglichter auf die 900-jährige Geschichte des Klosters Beuerberg wirft der prächtig illustrierte Band  1121 - 900 Jahre Kloster Beuerberg aus der Volk Verlag.

In 28 fundierten historischen Beiträgen namhafter Autoren, darunter bekannte Historiker, wird das klösterliche Leben aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Auch Stadtarchivar Simon Kalleder wurde um einen Beitrag gebeten. In seinem Text beschreibt er die Rolle der Flößerei für das Klosterdorf Beuerberg.

"Die Flößerei war im 18. Jahrhundert ein alltägliches Transportmittel, vergleichbar heute mit dem LKW-Verkehr. Deshalb wurde nur wenig darüber geschrieben und entsprechend schwierig war die Suche nach Quellen zur Flößerei auf der Loisach speziell im Hinblick auf Beuerberg", erklärt Historiker Simon Kalleder. Nach langer Suche wurde er u. a. im Staatsarchiv in München fündig. Seine Erkenntnisse können Sie im Band nachlesen.

Wer einen Blick in den Band werfen möchte, findet im Stadtarchiv ein Leseexemplar vor. Einen Eindruck von der Ausstattung des Buches vermittelt die Bilderstrecke.

 

1121 - 900 Jahre Kloster Beuerberg

Herausgeber: Christoph Kürzeder

ISBN: 978-3-86222-402-9

504 Seiten

Preis: 50 €

Erhältlich im örtlichen Buchhandel oder direkt beim Volk Verlag.

 

 

 

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