Sprungziele

Filmvorführung: Femme Sulfureuse im Stadtarchiv

Aktuelles
Filmkünstlerin Veronika Dräxler und Stadtarchivar Simon Kalleder
Filmkünstlerin Veronika Dräxler und Stadtarchivar Simon Kalleder

Filmkünstlerin Veronika Dräxler zeigte ihr Werk

Ende November wurde der Lesesaal des Stadtarchivs Wolfratshausen zum Filmsaal: Filmemacherin und Künstlerin Veronika Dräxler zeigte vor gelandenen Gästen ihre künstlerische Arbeit "Femme Sulfureuse". Zu deutsch "Dämonische Frau". Der rund zehnminütige Kurzfilm ist Teil eines mehrjährigen Werkzyklus, der sich mit der Sichtbarkeit weiblicher Akteurinnen in historischen Repräsentationsräumen sowie mit den politischen und ästhetischen Dimensionen von Erinnerung befasst.

Première Dame mit Wolfratshauser Verwandtschaft

Ein besonderer Bezug zu Wolfratshausen ergibt sich durch Henriette Poincaré (1858–1943), die damalige Première Dame Frankreichs. Im 19. Jahrhundert besuchte sie einen Sommer lang ihren Onkel Friedrich Moosbauer hier in Wolfratshausen und lernte Deutsch. Diese wenig bekannte Verbindung zwischen lokaler Geschichte und internationaler Diplomatie bildet einen Ausgangspunkt für Dräxlers künstlerische Recherche. Henriette Poincaré wurde von der französischen Presse zu damaliger Zeit sehr kritisch betrachtet. Sie hatte deutsche Wurzeln und war in dritter Ehe kinderlos verheiratet - die französische Presse gab ihr damals den wenig schmeichelhaften Titel "Femme Sulfureuse".

Der Besuch in Wolfratshausen wurde nun auch im Film aufgegriffen. Dabei spielte die Zusammenarbeit mit Simon Kalleder, dem Leiter des Stadtarchivs, eine zentrale Rolle: Seine archivarischen Recherchen und historischen Einordnungen ermöglichten eine präzise Kontextualisierung der Wolfratshauser Spuren Henriette Poincarés und öffneten den Blick für die lokalhistorischen Resonanzen. Aus diesem Anlass fand die Preview des Films nicht nur in Paris sondern auch in Wolfratshausen statt. Stadtarchivar Simon Kalleder hatte einige Gäste geladen. Zur Feier des Tages hatte die Künstlerin eine Champagnerflasche aus Frankreich mitgebracht. Die Gäste staunten, als die Künstlerin stilecht der Flasche mit einem Säbel den Hals abschlug. 

Drehort Klein-Anwesen

Gedreht wurde der Film sowohl in der Residenz der deutschen Gesandte in Paris – dem früheren Wohnhaus der Poincarés nach ihrer Zeit im Élysée-Palast – als auch im sogenannten Klein-Anwesen in Wolfratshausen. Beide Orte fungieren im Film als erinnerungstragende Räume, in denen Dräxler performativ historische Spuren, atmosphärische Überlagerungen und zeitgenössische Perspektiven auf weibliche Präsenz miteinander verschränkt.

Die Arbeit entsteht im Rahmen des Programms „Verbindungslinien“ des BBK Bayern, gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, und ist zugleich Teil von Dräxlers künstlerischer Forschung, die sie ab diesem Jahr im Programm SACRe an der ENS/Université PSL Paris weiterführt. Dräxler stammt ursprünglich aus Oberbayern, lebt und arbeitet derzeit in Paris und pendelt regelmäßig zwischen München und Frankreich.